Vom Fool, dem Archetyp – in Tintagel (UK) bei Franki Anderson

Vom Fool, dem Archetyp – bei Franki Anderson im renaturierten Steinbruch “Quarry la Pedrera” in Tintagel (UK)

Vom 03.06.2018 bis zum 09.06.2018 fand die zweite Schulung im Rahmen des Erasmus-plus-Projektes “Die Kraft des Humors – Von Narren und Buffonen” im Bereich der Erwachsenenbildung statt.

Diesmal ging es in das schöne Cornwall nach Tintagel, unweit der verzaubernden, märchenhaften Küste, an der man unendliche Spaziergänge entlang der Felsenriffe und durch Schafherden unternehmen kann.

Es war einfach wunderschön dort und nicht zuletzt die Kulisse, aber auch die einmalige, faszinierende Art und Weise der Leitung durch Franki Anderson trug dazu bei, dass sich die 7 Tage Schulung diesmal für unsere 6 Mitarbeiterinnen nicht wie Arbeit, sondern wie Urlaub anfühlten, obwohl auch diese Woche intensiv war und den Teilnehmerinnen einen Koffer voller Inspiration, Ideen, neuer Übungen und Methoden mitgab.

Auch hier galt es zu verstehen, wer der Fool, zu Deutsch auch Narr genannt, eigentlich ist.
(Engl. Fool = Idiot, Narr, Dummkopf, Kasperle, Schildbürger, Depp, Trottel… s. dict.leo.org)

Auch hier gab es einen direkten Bezug zu uralten Spieltraditionen, zu den Narren und Gauklern, die auf den Marktplätzen mit den Sorgen, Ängsten, Freuden – kurzum den Themen der Menschen spielten.

Franki Anderson hat in vielen Jahren einen eigenen Ansatz zum Archetyp: Fool entwickelt und dazu auch Methoden der gewaltfreien Kommunikation, indigene Rituale und weitere Ansätze, die zu einem ehrlichen und offenen Miteinander beitragen, mit integriert.

Und das alles im Dienste des „Spielers“, denn es geht darum, das Hier und Jetzt zu erspüren wie z.B. die Gedanken und Themen meiner Mitmenschen und alles auszuspielen, was da ist.
Dazu bereitet sich der Spieler vor, bringt sich in die Verfassung, spielen zu können, den Alltagsmenschen in diesem Moment loszulassen und sich von Blockaden frei zu machen.
Er geht auf die Suche nach den inneren Stimmen, Masken, die in ihm tönen und die bei genauerem Betrachten archetypisch sind. Sie sind das, was wir alle teilen. So individuell wie manche Gefühle scheinen mögen, so gemeingültig sind sie, so sehr erkennen wir uns darin wieder und freuen uns, wenn sie auf der Bühne ohne Begrenzung ausgespielt werden.
Dazu gehört natürlich jede Menge Mut und Loslösung von Konventionen.

In der Fortbildung bei Franki wurden alle Schritte erlernt, vom Beginnen im Circle, des Sich-Mitteilens an die anderen, des Sprechens in der Ich-Form, des Erforschens, welche Stimmungen und Stimmen präsent sind, über das Zuhören, dem Erlauschen und Empfangen dessen, was die anderen mitteilen, des Beeing, des einfachen Daseins, bis hin zum Erwecken des Spielers, dem Bühnenspiel und dem Feedback geben.

Franki‘s Ansatz ist mehr als eine Theatermethode, es ist eine Lebenseinstellung. Sie ermöglicht, wichtige Themen zu finden und damit umzugehen, auch spielerisch umzugehen. Damit kommt sie oft in eine therapeutische Nähe, die über das Bühnenspiel hinausgeht, der eigene Fool kann bei der Burnoutprävention helfen oder aber dabei, in den Kontakt mit eigenen Themen zu kommen.
Aber Franki‘s Ansatz ist auch eine Liebeserklärung an den Frieden, er vermittelt Art und Weisen, wie wir uns in unserer Unterschiedlichkeit sehen und akzeptieren können. Wer möchte nicht gehört und gemocht werden? Wer wünscht sich nicht, an Stelle von negativer Kritik aufbauendes, konstruktives Feedback zu bekommen?

 

Ja, ein wichtiger Teil ist auch das Feedback-geben, sich (bzw. die Spieler) gegenseitig „zurückfüttern“ mit Rückmeldung. Und das heißt nicht, sich zu loben, auch wenn man das gesehene gar nicht mochte. Es heißt, zu benennen, was ich gesehen habe, wovon ich mir mehr wünsche, was mich berührt hat und damit dem Spieler zu ermöglichen, sich weiterzuentwickeln, tiefer in etwas einzutauchen, über das eigene Spiel zu lernen.

Schritt für Schritt erlernten die Teilnehmenden, sich von gesellschaftlichen Konventionen zu lösen, nicht in alltägliche Muster zu verfallen (z.B. durch gegenseitige Schuldzuweisungen, die im Alltag immer wieder vorkommen), Verletzungen der anderen zu erkennen und behutsam miteinander umzugehen.

 

Wenn alle Menschen ein Seminar bei Franki Anderson besuchen würden, würde das dazu beitragen, das gesamtgesellschaftliche Klima und die Kommunikation unter den Menschen zu verbessern. In Anbetracht dessen, wie sich die Gesellschaft entwickelt, wäre das auch dringend notwendig.

Leider ist das praktisch nicht umzusetzen, aber ein Hoffnungsschimmer liegt nun in den Multiplikatoren wie z.B. unseren 6 Mitarbeiterinnen, die nun die Chance haben, die Ideen und auch Ansätze von Franki Anderson weiterzutragen und auch hierzulande zu verbreiten – sei es für das Bühnenspiel, sei es, um am gesellschaftlichen Miteinander zu arbeiten.

Wir sind gespannt, was hieraus in Zukunft noch entsteht!

 

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